Life: Mein privater Meilenstein

Mit zitternden Beinen, und gedankenleerem Kopf umklammerte ich das Lenkrad des Lupos als ich um Haaresbreite einem Unfall entging und neben dem Polizeiwagen zum Stehen kam. Es war das Auto der Mutter meines Freundes, die zu allem Überfluss auf dem Beifahrersitz saß und dringend zum Arzt musste. Ich stand so neben mir dass meine Beine nicht mehr das Ausrichten konnten was mein Kopf ihnen als Befehl sendete – es ging nichts mehr und das in der ersten Fahrt nach Erhalt des Führerscheins.

 

Dieser Vorfall liegt bereits zehn Jahre in meinem Leben zurück und trotzdem fühlt es sich an als wäre es gestern gewesen. Ich habe meinen Führerschein mit Neunzehn Jahren gemacht und hatte damals kein Geld für ein eigenes Auto, meine Eltern besaßen kein Fahrzeug und die Sportversion meines damaligen Freundes war nur auf ihn versichert. Diese Fakten führten zu genau Null Komma Null Fahrpraxis auf meinem Konto.

Wenn ich mich zurück erinnere hatte ich lange Zeit kein Bedürfnis nach einem eigenen Auto. Der Vorfall saß mir noch Jahre in den Knochen, das Geld reichte nie, die Anbindungen in Berlin lassen ein Auto überflüssig erscheinen und nicht zuletzt wurde die Angst zurück in ein Wagen zu kehren mit jedem Jahr größer.
Erst in den letzten zwei Jahren wurde der Wunsch nach einem eigenen Fahrzeug immer lauter und intensiver. Ich war es leid mich immer rückzuversichern ob Freunde mich fahren konnten, ob jemand Zeit hatte Erledigungen die ein Auto voraussetzen mit mir zu erledigen und überhaupt so unselbstständig in dieser Hinsicht zu sein.
Irgendwann entwickelte sich der Drang das Thema, welches mir wirklich Angst bereitet, erneut anzugehen.

Was andere Menschen bewältigen, dass muss ich auch schaffen können !

Schnell wusste ich dass wenn ich ein Automobil für mich begeistern kann, dann muss es das Kleinste sein und verliebte mich in den Smart ForTwo #nosponsering – klar es ist ungeeignet für riesige Transporte und auch nicht perfekt für einen Urlaub mit Freunden, aber er reicht für mich und Mali und bringt mich von A nach B.

Lange habe ich gespart und mir dann vor kurzer Zeit diesen wirklich großen Herzenswunsch erfüllt – ich kaufe mir mit Dreißig mein erstes eigenes Auto und schaffe somit ein weiteren Schritt in der Unabhängigkeit.

Mit dem Kauf des kleinen Flitzers fing die Herausforderung jedoch erst an. Wer zehn Jahre nicht in einem Auto saß oder sich gar mit dem Thema beschäftigt hat, der verlernt und vergisst Dinge. Welches Icon zeigt welche Lichtart an, wo ist Bremse und wo Gas und wie liest man einen Ölstand ab. Alles Dinge die mir fremd erschienen. Natürlich kennt man die gängigen Verkehrszeichen – aber könnt ihr alle? Ich nicht!

Und so lud ich mir eine App runter die mich täglich Verkehrsschilder abfragte.
Parallel ließ ich mich in meinem Auto zu verkehrsberuhigten Zonen fahren, in denen ich die ersten Übungen machte – Anfahren, Vollbremsung, Wenden und Parken.

Bis hierhin schön und gut. Aber ich war wieder angewiesen auf fremde Hilfe, auf die Zeit von anderen Menschen in denen sie mit mir üben konnten. Geknickt ließ ich mich auf den Sitz nieder und schaute mich um. Es war mein Auto und ich kann es nicht einmal alleine bewegen wo da draußen unzählige Menschen Tag täglich so ihre Ziele erreichen. Ich war enttäuscht von mir und der gesamten Situation.
Schon im Ohr konnte ich die zweifelnden Stimmen hören, die es mir eh nicht zugetraut haben und vorher sagten dass mein Auto nur rumstehen würde.

   

Einen Tag später, es war ein Sonntagmorgen, fand ich mich wieder in meinem Auto – diesmal hatte ich auf dem Fahrersitz Platz genommen. Ich versuchte ruhig zu bleiben, tief einzuatmen, alle einzustellen und daran zu denken was man mir erklärte. Und dann?

Dann fuhr ich einfach los und fahre bis heute meinen geliebtes kleines Stadtauto und bin so glücklich wie lange nicht.
Mit jeder Fahrt merke ich wie ich sicherer werde, wie Routine einkehrt und ich neue Strecken ausprobiere. Inzwischen fahre ich auch mir bekannte Strecken mit Mali und bin meinem Wunsch einmal alleine mit meiner kleinen Fellprinzessin an die Ostsee zu fahren einen großen Schritt näher gekommen.

   

Ich will euch damit aufzeigen, dass man Dinge schaffen kann auch wenn sie auf den ersten Blick für ein selbst total utopisch erscheinen. Jeder hat andere Hürden zu bewältigen aber ich kann euch versprechen, hätte mir jemand Anfang des Jahres gesagt dass ich noch im Sommer mein eigenes Wunschauto habe und dieses auch im Berliner Stadtverkehr fahre, ich hätte es selbst nicht geglaubt. Hürden kann ein Jeder meistern wenn man sich nicht von seinem eigenen Weg abbringen lässt, denn am Ende gehen wir ihn sowieso nur für uns selbst.

xoxo eure Mac Fineline

 

 

 

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